Digging around in the archives of "Die Zeit" I found a very early (so it seems to me) use of the word "Ostalgie." (Lots of the people I've been reading treat this term as if it had sprung fully-formed out of the ground just months ago.) In this article from 1996, "Was das Ostfernsehvolk gerne sieht - und was nicht", Christoph Dieckmann was meant to describe "What the Saxons like to watch" on t.v. At the moment there's a lot of discussion about the Germans "new" love of sanitized versions of East German history on t.v. Turns out that it's been around a long time:
Am 4. November 1995 vollzog das ZDF endlich die deutsche Einheit. An jenem Samstag abend gelang in glückhafter Weise die Vermittlung genuin ostdeutscher Lebensart an ein gesamtdeutsches Massenpublikum. In Thomas Gottschalks Sendung "Wetten, daß . . .?" war der 69jährige Erich Schwarz aus Schnepfenthal/Thüringen geladen. Dieser tat vor aller Augen, was er zu Hause heimlich tut, und trat trotz einer Rückgratverkrümmung binnen drei Minuten einhundertmal mit dem rechten Fuß an den Querbalken über der Wohnzimmertür. Diese Darbietung am sechsten Jahrestag der Halbmillionen-Demonstration auf dem Alexanderplatz gab exemplarisch Auskunft über Leistungsbereitschaft und Freizeitverhalten der Ostdeutschen. Gottschalk lobte Erich, nannte ihn "fit wie ein Turnschuh" und fragte den von Beifall Umbrausten, ob er daheim in Thüringen wohl wen zu grüßen wünsche. Trotz einer Sprachstörung stieß Erich Schwarz hervor: "Nürnberg!" Dafür gab's 4000 Mark. Dann kam Michael Jackson.
Later, Dieckmann relates a story about an acquaintance, a story that in many ways sums up the necessity of the "Selbsterfinderisch," or "handy," in everyday life in the GDR--as well as what happens when what was once necessity becomes obsolete.
Einst, Ende der achtziger Jahre, befand ich mich im Besitz einer Schwiegermutter an der Ostsee. Sie war in zweiter Ehe vermählt mit Sigi, einem besonders enthemmten Exemplar der Spezies DDRHeimwerker. Sigi wollte ganz Heringsdorf mit ARD und ZDF bestrahlen, was bislang an der Erdkrümmung gescheitert war. Nun fällte Sigi im Garten die Obstbäume und knallte einen fünfzig Meter hohen Stahlrohrquader als Kollektivantenne hinters Haus, um im Verein mit dem Berliner Fernsehturm die Erde terrestrisch zu entkrümmen. In anderen Orten empfingen die Bürgermeister im Frühjahr 1989 anonyme Drohbriefe: Ohne Schüssel auf dem Dach fällt die Kommunalwahl flach. Was Sigi damals ersehnte, hat er bekommen: Westfernsehen. Doch auf Sigi unerklärliche Weise ist nun auch der Westen DDR: der Staat von hier. Das Drüben fehlt, das Jenseits zu hier, die Alternative zum hiesigen Tag, und somit die alte Zeit. Das ist Ostalgie.Posted by Heather at October 15, 2003 09:15 PM
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